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Und plötzlich war der ganze Ort unterwegs.

Autorenbild: Christoph Iglhauser
Christoph Iglhauser
31. Mai
2 Min. Lesezeit

Es gibt Bilder, die sich für immer einprägen.


Für mich ist es jener Moment, als sich der Festumzug am 31. Mai 2026 langsam in Bewegung setzte. Tausende Menschen säumten die Straßen von Thalgau, applaudierten, winkten einander zu und hielten Ausschau nach vertrauten Gesichtern. Kinder liefen aufgeregt neben den Wägen her, Großeltern erklärten ihren Enkeln, was vor 50 Jahren an genau diesem Ort passiert war.



Vor mir warteten mehr als 730 Mitwirkende: Vereine, Familien, Musikgruppen und Ehrenamtliche. Über Monate hinweg hatten sie Themenwägen gebaut, Ideen entwickelt und unzählige Stunden investiert, um diesen Tag möglich zu machen.

Dann setzte sich der Zug langsam in Bewegung.


In diesem Moment war mir klar: Das war längst nicht mehr nur ein Festumzug. Es war ein Ort, der sich an diesem Tag selbst erzählte.


Die Planung dieses Jubiläums durfte ich als Hauptorganisator über viele Monate hinweg begleiten. Dabei ging es für mich nie darum, einfach ein Fest auf die Beine zu stellen. Ich wollte einen Tag schaffen, der Menschen verbindet – einen Tag, an den man sich auch Jahre später noch erinnert.


Vielleicht hatte das mit meiner eigenen Geschichte zu tun.


Vor genau 50 Jahren war mein Großvater, Balthasar Iglhauser, der Organisator der damaligen Festwochen zur Markterhebung. Je intensiver ich mich mit den Vorbereitungen beschäftigte, desto bewusster wurde mir, wie viel Arbeit, Geschick, Geduld und vor allem ein Gespür für die Menschen hinter einem solchen großen Markterhebungsfestes stehen. Manche Herausforderungen ändern sich auch nach einem halben Jahrhundert nicht.


Eine Zahl hat mich während der gesamten Vorbereitung immer wieder begleitet.


18.222 Tage.


So viele Tage lagen zwischen der Markterhebung am 11. Juli 1976 und unserem Jubiläumsfest am 31. Mai 2026.


18.222 Tage voller Geschichten.


Vielleicht war deshalb schnell klar, dass dieses Jubiläum nicht von einer Bühne leben sollte, sondern von den Menschen selbst.


Rund 30 Themenwägen erzählten die Geschichte Thalgaus von 1976 bis heute. Kinder marschierten unter dem Motto „Jetzt für die Zukunft“, Vereine präsentierten ihre Geschichte und entlang der Straßen entstanden unzählige kleine Begegnungen. Immer wieder blieb der Zug kurz stehen, weil Menschen Bekannte entdeckten oder sich spontan Erinnerungen erzählten.


Genau diese kleinen Augenblicke machten den Tag besonders.


Nicht die Bühne.


Nicht das Programm.


Sondern die Begegnungen.



Als am Abend langsam Ruhe einkehrte und die letzten Helfer gemeinsam zusammenräumten, dachte ich an die vergangenen Monate zurück. An Sitzungen, Telefonate, Planänderungen und unzählige Entscheidungen.


Plötzlich spielte all das keine Rolle mehr.


Geblieben war das Gefühl, dass ein ganzer Ort gemeinsam etwas geschaffen hatte, das größer war als ein Jubiläum.


Als ich schließlich ein letztes Mal über den Marktplatz blickte, wusste ich: Die Feier war vorbei. Doch viele Menschen standen noch immer zusammen, redeten und lachten. Genau in diesem Moment wurde mir klar: Das Schönste an diesem Tag ließ sich nicht organisieren. Es war einfach entstanden.

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