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Ein voller Saal. Und plötzlich war es ganz still.

Autorenbild: Christoph Iglhauser
Christoph Iglhauser
28. Mai
2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 29. Juli

Es gibt Abende, an denen man schon nach wenigen Minuten spürt, dass etwas Besonderes passiert. Nicht, weil das Programm außergewöhnlich ist. Sondern weil plötzlich Menschen aller Generationen gemeinsam lachen, staunen und sich an Dinge erinnern, die sie längst vergessen glaubten.


Genau dieses Gefühl prägte den „Abend voller Thalgauer Erinnerungen“ am 28. Mai 2026 – den Auftakt zum Jubiläumswochenende „50 Jahre Marktgemeinde Thalgau“.


Ich durfte den Abend nicht nur moderieren, sondern auch gemeinsam mit vielen engagierten Menschen konzipieren und organisieren. Mein Anspruch war dabei nie, einfach historische Filme zu zeigen oder ein Jubiläum zu feiern. Ich wollte einen Raum schaffen, in dem Erinnerungen wieder lebendig werden und Menschen miteinander ins Gespräch kommen.


Als ich die Bühne der restlos gefüllten Aula betrat, blickte ich in rund 350 Gesichter – Kinder, Eltern, Großeltern und Menschen, die die Markterhebung 1976 selbst miterlebt hatten. Schon nach wenigen Minuten war klar: Es würde mehr werden als nur eine Veranstaltung.



Als auf der Leinwand plötzlich die ersten historischen Aufnahmen vom 11. Juli 1976 erschienen, hörte man im Saal kaum noch ein Geräusch. Erst nach einigen Sekunden löste jemand das Schweigen: „Schau, das bist doch du!“ Von da an gehörte der Raum ganz dem Film. Festzüge, vertraute Gesichter und längst vergangene Momente ließen viele Besucher:innen schmunzeln – und manche auch ein wenig nachdenklich werden. Immer wieder zeigten Finger Richtung Leinwand: „Den kenn ich noch.“


Genau darin lag für mich die besondere Kraft dieses Abends. Geschichte wurde an diesem Abend nicht erzählt – sie wurde gemeinsam erlebt.



Zwischen den historischen Filmen durfte ich auch mein Buch „Geschichten, die bleiben – Aus dem Herzen Thalgaus“ vorstellen. Über Monate hinweg hatte ich Menschen zugehört, Erinnerungen gesammelt und ihre Geschichten aufgeschrieben. Nicht die großen historischen Ereignisse standen dabei im Mittelpunkt, sondern die Menschen selbst – ihre Begegnungen, ihre Erlebnisse und ihre Erinnerungen. Denn ich bin überzeugt: Geschichte entsteht nicht nur in Chroniken. Sie entsteht jeden Tag mitten unter uns.



Für musikalische Gänsehautmomente sorgte der Sängerbund Thalgau mit seinem Jubiläumsauftritt zum 125-jährigen Bestehen. Den emotionalen Schlusspunkt setzte schließlich das überraschende Bühnen-Comeback der „Radauer“, die mit ihrem eigens zur Markterhebung 1976 komponierten Lied „Thalgau ladet dich ein“ den Bogen eindrucksvoll über fünf Jahrzehnte spannten.



Obwohl der offizielle Teil längst vorbei war, wollte kaum jemand nach Hause gehen. In kleinen Gruppen standen die Menschen noch lange zusammen. Vor der Bühne, zwischen den Sitzreihen oder beim Büchertisch entstanden Gespräche, die vermutlich schon seit Jahren nicht mehr geführt worden waren.


Genau das hatte ich mir erhofft.


Denn manchmal besteht der größte Erfolg einer Veranstaltung nicht darin, dass alles perfekt organisiert ist. Sondern darin, dass sie etwas auslöst. Dass Menschen stehen bleiben, miteinander reden und ihre eigenen Geschichten weitererzählen.


Als ich die Aula schließlich verließ, wurde noch immer erzählt. Und genau in diesem Moment wusste ich: Der Abend war vorbei – die Geschichten noch lange nicht.



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