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Und plötzlich war die Vergangenheit ganz nah.

Autorenbild: Christoph Iglhauser
Christoph Iglhauser
25. Mai 2024
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 29. Juli

Die Sonne verschwand langsam hinter den Bäumen rund um die Ruine Wartenfels. Rund 60 geladene Gäste hatten sich vor dem Forsthaus versammelt, während ich das Buch in den Händen hielt, an dem ich eineinhalb Jahre gearbeitet hatte. Über mir erhoben sich die alten Mauern, vor mir waren Menschen versammelt, die mit diesem Ort seit Jahrzehnten verbunden sind.


In diesem Moment wurde mir bewusst, dass ich an diesem Abend weit mehr präsentierte als ein neues Buch.



Ich durfte das letzte Kapitel einer Geschichte abschließen, die lange vor mir begonnen hatte.


Vielleicht begann meine persönliche Geschichte sogar schon viele Jahre früher.


Es gibt Orte, die einen ein Leben lang begleiten. Für mich gehört die Ruine Wartenfels dazu. Schon als Kind streifte ich zwischen den alten Mauern umher, suchte nach verborgenen Schätzen und stellte Fragen, auf die damals niemand eine Antwort hatte. Die Ruine war für mich nie einfach nur eine alte Burg. Sie war ein Ort voller Geheimnisse.


Viele Jahre später saß ich plötzlich selbst über vergilbten Urkunden und mittelalterlichen Handschriften. Manche Abende endeten erst weit nach Mitternacht. Vor mir lagen handgeschriebene Dokumente, deren Schrift kaum mehr zu entziffern war. Oft rauchte mir nach Stunden über denselben Dokumenten der Kopf, weil ich glaubte, einer Antwort ganz nahe zu sein – nur um kurze Zeit später wieder von vorne beginnen zu müssen.


Gerade in diesen Momenten zeigte sich, wie wertvoll mein Vater Reinhold an meiner Seite war. Er hatte eine außergewöhnliche Spürnase für historische Zusammenhänge. Während ich Quellen verglich und versuchte, alte Schriften zu entschlüsseln, entdeckte er Hinweise, die schließlich entscheidende Puzzleteile lieferten. Aus unzähligen kleinen Fragmenten entstand nach und nach ein Gesamtbild. Und eines Nachts – es war kurz vor halb drei – fanden wir Antworten auf Fragen, die jahrhundertelang offen geblieben waren.


Je tiefer ich in die Geschichte eintauchte, desto klarer wurde mir, dass es nie nur um die Veste Wartenfels ging. Hinter jeder Urkunde standen Menschen. Hinter jedem Namen verbarg sich ein Schicksal. Und hinter jeder Jahreszahl eine Geschichte, die fast 800 Jahre darauf gewartet hatte, wieder erzählt zu werden. Mit „Veste Wartenfels – Legende und Wahrheit“ konnten wir zahlreiche offene Fragen erstmals wissenschaftlich beantworten – und zugleich das 17. und letzte Chronikwerk der Marktgemeinde Thalgau vollenden.


Als ich an diesem Abend in die Gesichter der Gäste blickte, erkannte ich schließlich den eigentlichen Wert dieses Projekts. Viele verbanden mit der Ruine persönliche Erinnerungen. Andere erzählten Geschichten ihrer Eltern oder Großeltern.


Es war ein Stück Heimat.



Während ich das Buch langsam schloss, wanderte mein Blick noch einmal hinauf zur Ruine. Für einen kurzen Moment musste ich an meinen geschätzten Onkel Bernhard denken. 1988 hatte er mit dem ersten Chronikwerk begonnen, die Geschichte unseres Ortes wissenschaftlich aufzuarbeiten. Nach seinem Tod im Jahr 2022 durfte ich diesen Weg zu Ende führen.


Es fühlte sich nicht wie ein Abschluss an.


Ich durfte das Lebenswerk meines Onkels weiterführen – und schließlich vollenden.


In diesem Moment empfand ich eine tiefe Dankbarkeit – eine, wie ich sie nur selten erlebt habe. Dafür, dass ich sein beeindruckendes Lebenswerk in seinem Sinne vollenden durfte. Dafür, dass mein Vater diesen Weg mit mir gegangen ist. Und dafür, dass Geschichte Menschen auch heute noch verbinden kann.


Denn Geschichte endet nicht mit dem letzten Kapitel eines Buches. Sie lebt überall dort weiter, wo Menschen bereit sind, sie zu bewahren – und sie mit anderen zu teilen.



Du hast Interesse am Buch "Veste Wartenfels"? Dann schreibe mir gerne unter: christoph@ci-media.at




 
 
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