Und plötzlich wurde es ganz persönlich.

Aktualisiert: vor 3 Tagen
Eigentlich war für mich an diesem Abend nur eines geplant: die Moderation.
Durch den Abend führen. Alte Aufnahmen ankündigen. Musik verbinden. Menschen willkommen heißen.
Aber manchmal entwickeln sich Dinge anders, als man sie plant.
Nach dem ersten „Abend voller Thalgauer Erinnerungen“ im Mai war schnell klar, dass es eine Zugabe geben sollte. Und als ich in die Aula der Volksschule Thalgau blickte, war da wieder dieses besondere Bild: knapp 350 Menschen. Ein volles Haus. Zehn Thalgauer Vereine mit ihren Fahnen. Und viele Menschen, die gekommen waren, um gemeinsam zurückzublicken.
Plötzlich waren es nicht mehr einfach nur alte Filmaufnahmen.
Da wurde gelacht. Getuschelt. Auf die Leinwand gezeigt. Menschen und Orte wiedererkannt. Erinnerungen, die irgendwo geschlummert hatten, waren für ein paar Augenblicke wieder ganz nah.
Vielleicht ist es genau das, was mich an diesen Abenden so berührt.
Geschichte steht nicht nur in Büchern und Chroniken. Sie lebt in Menschen. In ihren Erinnerungen. In einem Lächeln. Und manchmal genügt ein alter Film oder ein Musikstück, damit all das wieder da ist.

Musikalisch sorgten die Schüler:innen der Mittelschule Thalgau mit ihrem „Thalgau-Song“ sowie die Reitbauer Klarinettenmusik, Harlequin Sunrise und Klangverwandt für besondere Momente. Jede Gruppe auf ihre Weise. Und doch passte alles zusammen.
Doch diesmal gab es einen Moment, der mir besonders naheging.
Ich durfte die Laudatio auf Johann „Hans“ Haslacher halten, bevor ihm Bürgermeister Johann Grubinger die Ehrenbürgerschaft der Marktgemeinde Thalgau verlieh.
Hans ist seit vielen Jahren ein Freund unserer Familie. Einer, der für Thalgau unglaublich viel bewegt hat. Der Menschen zusammenbringt, Ideen vorantreibt und oft schon an das nächste Projekt denkt, während andere noch über das vorherige sprechen.
Und plötzlich stand ich vor fast 350 Menschen, blickte zu ihm hinüber und versuchte, in wenigen Minuten das in Worte zu fassen, was ihn als Menschen ausmacht.
Nicht seine Funktionen. Nicht die vielen Auszeichnungen.
Sondern das, was dahintersteckt.
Seine Begeisterung. Seine Menschlichkeit. Seine Fähigkeit, andere mitzureißen und Menschen das Gefühl zu geben, dass sie dazugehören.
Ich hatte mir viele Gedanken über diese Laudatio gemacht. Über die richtigen Worte und darüber, wie man einem Menschen gerecht wird, der so viel für einen
Ort getan hat.
Aber in diesem Moment ging es nicht mehr darum, ob jeder Satz perfekt saß.
Es ging darum, einem Menschen vor all diesen Menschen Danke zu sagen.
Das war weit mehr als eine Rede. Es war ein persönliches Dankeschön. Und eine große Ehre.
Als Hans später selbst zum Mikrofon griff, wurde noch einmal deutlich, was ihn ausmacht. Statt über seine eigenen Leistungen zu sprechen, holte er jene Menschen auf die Bühne, die ihn über viele Jahre begleitet hatten. Und als er seiner Frau Theresia dankte, war die Rührung spürbar.
An diesem Abend kam vieles zusammen. Menschen. Musik. Alte Bilder. Persönliche Erinnerungen. Geschichten, die wieder lebendig wurden.
Man kann einen solchen Abend organisieren. Einen Ablauf schreiben, Filme auswählen und ein Mikrofon einschalten.
Aber was Menschen an einem solchen Abend miteinander verbindet, steht auf keinem Ablaufplan.
Als die letzten Töne verklungen waren und ich noch einmal in den vollen Saal blickte, war da vor allem Dankbarkeit.
Für diesen Abend. Für die vielen Menschen, die gekommen waren. Für alle, die mitgeholfen haben. Und dafür, dass aus einer kleinen Idee etwas entstanden ist, das weit über den ursprünglichen Gedanken hinausgeht.
Mit diesem Abend ging ein außergewöhnliches Jubiläumsjahr zu Ende. Ein Jahr voller Begegnungen, Geschichten und Momente, die ich nicht vergessen werde.
Die Zugabe war vorbei. Aber vieles von dem, was an diesem Abend spürbar war, bleibt.



