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Und plötzlich war da eine kleine Tür aus Holz.

Autorenbild: Christoph Iglhauser
Christoph Iglhauser
9. Juli
2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 7. Sept.

Ich war schon etwas außer Atem. Es war einer dieser kühlen Herbstmorgen, an denen der Nebel noch zwischen den Bäumen hing und die ersten Sonnenstrahlen langsam ihren Weg bis zum Waldboden fanden. Eigentlich wollte ich nur eine Runde durch den Wald gehen, so wie ich es fast täglich mache. Dann blieb ich stehen. Eingebaut in die freiliegenden Wurzeln eines großen Baumes entdeckte ich ein klitzekleines Holzhäuschen mit einer kleinen geschlossenen Holztür und vier Fenstern. Fast so, als würde dahinter jemand wohnen.


Je länger ich diese kleine Tür betrachtete, desto mehr begann ich darüber nachzudenken. Wir leben heute Tür an Tür, begegnen uns beinahe täglich und wissen trotzdem oft erstaunlich wenig voneinander. Vielleicht sind es gar nicht die Häuser, die verschlossen sind, sondern unsere Geschichten. Genau in diesem Moment entstand die Idee zu einem Buch, das nicht von Daten oder Ereignissen erzählen sollte, sondern von den Menschen, die Thalgau geprägt haben und bis heute prägen.  


In den Monaten danach durfte ich über 320 Stunden zuhören, Erinnerungen ordnen und Geschichten schreiben. Ich saß an Küchentischen, in Wohnzimmern, Werkstätten und Vereinsheimen, führte lange Gespräche und hörte Geschichten zu, die oft über Jahrzehnte gereift waren. Mich interessierten nie Titel oder Funktionen, sondern die Menschen dahinter. Ihre persönlichen Erlebnisse, ihre Werte und die kleinen Geschichten und Anekdoten, die in keiner Chronik stehen – und gerade deshalb nicht verloren gehen dürfen.


Als „Geschichten, die bleiben – Aus dem Herzen Thalgaus!“ schließlich erschien, wusste ich nicht, wie die Menschen darauf reagieren würden. Umso überwältigender war es, als das Buch nach wenigen Wochen restlos vergriffen war. Noch mehr als der schnelle Ausverkauf berühren mich aber die vielen Rückmeldungen von Leser:innen, die sich selbst, ihre Familien oder ihre Nachbarn in den Geschichten wiedergefunden haben.


Christoph Iglhauser

Ganz bewusst endet das Buch nicht mit der 49. Geschichte. Die 50. Geschichte bleibt frei. Sie soll daran erinnern, dass Heimat niemals fertig erzählt ist. Jeden Tag entstehen neue Erinnerungen, neue Begegnungen und neue Geschichten, die es wert sind, weitergegeben zu werden.


Wenn ich heute an diesen Herbstmorgen zurückdenke, denke ich nicht zuerst an das vergriffene Buch. Ich denke an den Nebel zwischen den Bäumen, an die kleinen Sonnenstrahlen, die den Waldboden erreichten, und an diese unscheinbare kleine Holztür. Denn sie hat mir gezeigt, dass hinter jeder Tür ein Mensch steckt – und hinter jedem Menschen eine Geschichte, die bleiben kann.



 
 
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